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Der Tathagata begründete weder eine Lehre noch eine Tradition, Schule oder gar einen Buddhismus! Nein, er sprach ausschließlich aus der Stille der Wahrheit. Zu seiner Zeit gab es weder einen -ismus noch -isten, also keinen Buddh-ismus, keine Buddh-isten. Es gibt nur die Praxis des Buddhadharma.

Erst Generationen nach dem Erlöschen des Tathagata wurden seine Unterweisungen schriftlich fixiert und zu einem Kanon zusammengefasst, die Wahrheit dogmatisiert und institutionalisiert. Verschiedene Schulen, Sekten und Traditionen entwickelten sich und subsumieren sich unter dem, was wir Buddhismus nennen. Selbst der Chan blieb nicht davon verschont und entwickelte sich zum dogmatischen Lehrgebäude, wird als Sekte oder Schule bezeichnet.

Die Lebendigkeit des Buddhadharma wurde zur toten Anbetung und zum Götzendienst, zum Machtmittel für Starke und zum Schnuller für Schwache, zum Geräusch der Illusion, die für Wahrheit gehalten wird.

Es gibt fast nur noch Prediger und Gläubige, wobei der Gläubige den Weg der Erfahrung anderer beschreitet, an Glaubenssätzen klebt, ohne selbst nach Erfahrung zu streben. Er ruht sich auf der religiösen Hängematte aus, lutscht am Finger-der-zum-Mond-weist, badet im Dunstkreis nebulöser, verschwommener Mystik (Mystiz-ismus) oder spielt mit der intellektuellen Babyrassel, die er Wissen nennt. Gerade weil sie fern der wahren Praxis sind, klammern sie sich an Fundamentalismus und Wort-Autorität. Wenn der Buddhadharma nicht den eigenen Unzulänglichkeiten entspricht, wird dieser zurecht gebogen und mit esoterischem Brei vermischt. Aus dem Flickengewand wird eine kuschelige Wohlgefühl-Patchwork-Decke zum Zudecken vor der Wirklichkeit.

Manch einer nennt sich nun selbstherrlich Chan-Meister und Linienhalter, watet wie der Storch im Salat durch seine Schar von devoten Anbetern und Anhängern. Doch im Grunde sind sie Totengräber und Götzenanbeter des Buddhadharma und Diener von Mara.

Mitten unter ihnen wandeln flickengewandeten Buddhas und Patriarchen, jederzeit bereit, den ernsthaft Suchenden zu begleiten. Wer zu ihnen findet, wird gleich mit dem Grundsatz konfrontiert: »Lerne oder verschwinde!« Sie füttern nicht, sie nehmen das Futter weg! Sie stehen nicht auf dem Grab der Vorfahren, sind unabhängig von Ideologien, spielen nicht mit einer spirituellen Babyrassel, sind frei von intellektuellem Windhauch, halten sich fern vom fundamentalistischem Lamentieren und lehnen die sentimentale Gruppenmentalität ab.

Die »flickengewandeten Buddhas und Patriarchen« sind die Wegweiser zum »Torlosen Tor des Dharma« wie auch Wächter des »Torlosen Tore«, um nur den »Mensch ohne Rang und Namen« passieren zu lassen.

Für sie gibt es lediglich das Arbeiten zur Freiheit und Leidensaufhebung! Wer Leiden erkennt und nicht handelt, will leiden und bedarf weder der Chan-Praxis, noch wird er das Tor durchschreiten können. Es ist einfach: Wer sich nicht die Zeit nimmt für die Leidensaufhebung, muss sich Zeit nehmen für das Leiden.

Einer dieser Patriarchen war Dao Jun Zhi Ming (Martin Steinke), mein Großvater im Chan. Einen Geistes mit seinem Mentor Dao Jun, erhielt Dr. Winfried Kruckenberg die Erlaubnis, eine neue Chan-Generation zu gründen, zu der ich gehöre. Bereits 1991 erhielt ich die gleiche Erlaubnis von meinem Mentor Dr. Winfried Kruckenberg und war bis zu seinem Tod 1998 sein Protegè.

Nach seinem Tod fand ich den Weg zum Großmeister Ehrwürden Shi Yong Chuan, Abt vom Shaolin Tempel Deutschland, wurde dessen Schüler und gehöre als Shi Yan Cheng zur 34. Shaolin Generation. Ich bin Vor-Sitzer im Zhulin Guiyin (Klause im Bambushain), das offizielle Shaolin Zentrum für Damo Chan Kultur.

Chan ist die Kühnheit des Denkens gegen Traditionen. Chan-Praktizierender zu sein bedeutet: Ketzer zu sein, selbst gegenüber Chan.

So bin ich weder Chan-Lehrer noch Chan-Meister! Wegweiser ins Denken bin ich, nicht weniger und nicht mehr!

 



Dao Jun Zhi Ming Zu-shi
(Martin Steinke)
 
Wu Dao Ju-shi
(Dr. Winfried Kruckenberg)

 


Ein Gespräch im Garten vom Zhulin Guiyin
zwischen dem Großmeister und seinem Schüler.

 


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